Strahlenbelastung am Zwischenlager Gorleben
"Der zulässige Grenzwert für Radioaktivität am Zwischenlager Gorleben wird in diesem Jahr überschritten werden." Diese und ähnliche Meldungen beunruhigen seit fast zwei Wochen die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Lüchow-Dannenberg und umliegender Regionen. Bekannt geworden ist die besorgniserregende Situation in Gorleben nicht etwa, weil die niedersächsische Atomaufsicht die Öffentlichkeit angemessen informiert hätte, sondern weil der Norddeutsche Rundfunk Kenntnis von hohen Messwerten bei Messungen des Landesamt „Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bekommen hat. Das NLWKN kontrolliert mit eigenen Messstellen für die Atomaufsicht des Zwischenlagers, dem niedersächsischen Umweltministerium (NMU), die Einhaltung der Grenzwerte am Zwischenlager Gorleben.
Bereits im Jahr 2009 ist der Jahresgrenzwert am äußeren Zaun (o,3 mSv) zu zwei Dritteln ausgeschöpft worden. Seither hat sich also abgezeichnet, dass die Einhaltung in Frage gestellt ist. Für das Jahr 2011 hat nun eine Hochrechnung des Messwertes, die vom Landesamt vorgenommen wurde, gezeigt, dass der Grenzwert am ungünstigsten Aufpunkt an der Nordseite des Zwischenlagers überschritten werden wird. Diese Überschreitung würde nach Messungen und Berechnungen des NLWKN auch schon ohne die Einlagerung von weiteren 11 Behältern mit hochaktivem Müll aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague eintreten. Die Beladung dieser Behälter in La Hague läuft aber trotz der schon länger bekannten hohen Messwerte weiter. Zur Zeit sind bereits 5 Behälter beladen, obwohl ihre Annahme in Gorleben nicht möglich ist, wenn der Grenzwert nicht eingehalten wird.
Bis heute ist unklar, seit wann die Beamten der niedersächsischen Atomaufsicht mit der Gesellschaft für Nuklear Service (GNS) über die errechnete Grenzwertüberschreitung verhandeln. Unklar ist auch, wie weit das Bundesumweltministerium einbezogen ist. Die Betreiberfirma GNS hat im Juli dieses Jahres Behälter im Lager aus Gründen umgestellt, die nichts mit der Grenzwertüberschreitung zu tun haben sollen. In einem Informationsgespräch in Gorleben in der vergangenen Woche machte die Betreiberfirma deutlich, dass sich durch dieses Umstellen an den Messwerten am Zaun auch nichts verändert habe. Als technische Lösung für das Problem soll das Umstellen nun trotzdem weiter geprüft werden. Außerdem hat der Betreiber im Gespräch mit der Aufsicht auch das Aufsetzen von zusätzlichen Deckeln auf die Behälter oder deren Ummantelung als mögliche technische Maßnahmen vorgeschlagen.
Das Vorgehen der Atomaufsicht bei der Landesregierung in Hannover ist nicht nur intransparent. Durch unterlassene Information der zuständigen Stellen in der Kommunalverwaltung und der Bürger, und durch fortgesetzte irreführende und widersprüchliche Informationen zu den eigenen Messwerten und Maßnahmen ist der Eindruck entstanden, dass die eigenen Messwerte und Berechnungen unter den Teppich gekehrt werden sollten. Um den bevorstehenden Transport aus Frankreich nicht zu gefährden hat die Aufsicht das Problem verschwiegen. Umweltminister Sander, der sich gern bürgernah gibt, sollte umgehend erklären, warum er die eigenen Messwerte und Berechnungen zurückgehalten hat.
Wir GRÜNE haben keinerlei Verständnis dafür, wie die niedersächsische Atomaufsicht mit den Ergebnissen der eigenen Messungen und Berechnungen umgegangen ist. Wir gehen davon aus, dass die Messungen und Berechnungen des NLWKN am ungünstigsten Aufpunkt korrekt durchgeführt wurden und werden. Wir fordern deshalb, dass endlich Transparenz und Sicherheit das weitere Vorgehen bestimmen.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir daher auch auf Bundesebene eine Kleine Anfrage zu dem Thema gestellt, zudem setzen wir uns dafür ein das vor diesem Hintergrund der diesjährige Castortransport nicht durchgeführt wird und alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden um die Bevölkerung vor den Risiken der hohen Strahlenwerte zu schützen.





